Argumente Fertighaus ./. Massivhaus

Fertighaus bauenDie Werbebotschaften der Anbieter

Stellt man das Fertighaus dem Massivhaus gegenüber, dann zeigen sich bei beiden Hausvarianten Vor- wie auch Nachteile. Während für Fertighäuser stets mit der kürzeren Bauzeit geworben wird, hat das Massivhaus in Hinblick auf die Werthaltigkeit deutliche Vorteile. Der Preis sollte für die Entscheidung der Bauweise fürs Eigenheim nicht die einzige Rolle spielen – denn ein eigenes Wohnhaus ist eine Entscheidung für die Zukunft, Fehlentscheidungen und Mängel in der Bauweise wie sie bei Fertigbau und Massivbau vorkommen können, sorgen im Laufe der Jahre für viel Ärger und hohe Folge- und Reparaturkosten.

 

Fertigbau oder Massivhaus? Eine Frage der Individualität!

Bauen will man nur einmal im Leben und dementsprechend wenig Kompromisse eingehen. Wer viel Wert auf Individualität legt, bezahlt das beim Fertighaus mit barem Geld. Die günstigen Standardtypen im Fertigbau werden schnell deutlich teurer, wenn Veränderungen am Grundriss auch statische Änderungen nach sich ziehen. Und das ist aufgrund der Skelettkonstruktion bei Fertighäusern recht schnell der Fall.

 

Beim Massivhaus sieht die Sache anders aus: Die massive Bauweise ermöglicht sehr individuelle Grundrisslösungen ohne große Mehrkosten, auch spätere Anpassungen lassen sich deutlich leichter vornehmen. Ein herkömmliches Einfamilienhaus besitzt in der Regel maximal eine tragende Innenwand, die erhalten bleiben muss. Der Rest des Grundrisses lässt sich theoretisch auch nachträglich beliebig verändern.

 

 

Bauphysik beim Fertigbau – Nachteile durch leichte Bauweise

Fertighäuser besitzen bei vergleichsweise geringen Wandstärken ausgezeichnete Wärmeschutzeigenschaften bei gleichzeitigem Raumgewinn. Eine Komponente für den guten Wärmeschutz ist die absolute Dichtigkeit der Gebäudehülle. Diese thermisch geschlossene Hülle verhindert, dass Wärme entweicht, allerdings ist auch ein Luftaustausch nur durch manuelles Lüften oder eine automatische Lüftungskontrolle im Fertigbau möglich. Weniger gut sieht es beim Fertighaus mit Schallschutz und Brandschutz aus. Die leichten Wandkonstruktionen der Fertighäuser lassen ohne besondere und kostspielige Maßnahmen Schall leicht durch. Und auch wenn moderne Fertighäuser heute den Anforderungen an den Brandschutz gerecht werden: Ein brennender Fertigbau lässt sich in der Regel nur noch abreißen. Ebenfalls hochproblematisch sind Wasserschäden. Ist das Fertighaus einmal durchfeuchtet – zum Beispiel im Bereich der Außenwände, lässt sich die Holzkonstruktion nur schwer komplett austrocknen.

 

Beim Massivbau wird der Wärmeschutz heute durch hochdämmende Ziegel realisiert, die Wandstärken liegen dennoch über denen eines Fertighauses in Holzbauweise. Das sorgt zwar zu einigen Raumverlusten, dafür speichern massive Wände die Wärme und bieten ideale Voraussetzungen für Flächenheizungen. Außerdem verbessern sich Schallschutz und Brandschutz durch die schwere Bauweise deutlich. Das liegt zum einen am Materialgewicht, zum anderen daran, dass Mauerwerk aus anorganischem und damit nicht brennbaren Baustoffen besteht. Ein Wasserschaden oder ein Problem mit aufsteigender Feuchtigkeit lässt sich durch verschiedene Trocknungsverfahren beheben.

 

 

Die Sache mit dem Preis

Auf den ersten Blick sind Fertighäuser häufig günstiger zu haben als vergleichbare Massivhäuser. Günstig wird der Fertigbau vor allem durch die standardisierte Herstellung für die einzelnen Haustypen und deren häufig modularer Aufbau. Die Bauteile des Fertighauses können in großer Zahl vorproduziert werden und das spart Kosten. In dem Moment, in dem ein Fertighaus individuell geplant wird, fällt dieser Vorteil bereits weitaus weniger ins Gewicht. Mittlerweile werden mehr als die Hälfte aller Fertighäuser als individuelles Architektenhaus hergestellt, da die Bauherren gerne ein Eigenheim nach ihren Wünschen haben möchten. Ebenfalls zur Kostensenkung tragen die kurzen Bauzeiten bei. Das Fertighaus ist schnell einzugsfertig, dementsprechend verkürzt sich die Zeit, in der noch Miete für die Wohnung bezahlt werden muss, während bereits die ersten Raten fürs Fertighaus anstehen.

 

Das individuell geplante Massivhaus wirkt auf den ersten Blick tatsächlich teurer, sowohl hinsichtlich seiner eigentlichen Errichtung als auch in Bezug auf die Bauzeit, die länger als beim Fertigbau ist. Hinzu kommt, dass die Errichtung des Rohbaus meistens nur in trockenen und frostfreien Zeiten möglich ist, dadurch kann es zu Verschiebungen und Einschränkungen kommen. Im Ergebnis erhält der Bauherr jedoch ein Bauwerk, das einen um 20 bis 40 % höheren Wiederverkaufswert besitzt als ein vergleichbares Fertighaus. Dadurch liegen auch die Beleihungsgrenzen entsprechend höher. Denn auch die Banken schätzen den Wert höher ein.

 

 

Zeit ist Geld – auf die Bauzeit kommt es an!

Für das hochwertige Fertighaus gilt ebenso wie für den Massivhausbau: Was gut gelingen soll, braucht seine Zeit!

 

Eines der Hauptargumente für Fertighäuser sind in der Regel die kurzen Bauzeiten. Die Hersteller werben damit, dass der Fertigbau bereits in wenigen Tagen bezugsfähig ist, ein Trockenwohnen entfällt. Während für ein Einfamilienhaus von der Baugenehmigung, über den ersten Spatenstich bis zum Einzug oft mehrere Monate vergehen, scheint diese Zeit deutlich kürzer zu sein.

 

Betrachtet man jedoch den kompletten Ablauf, relativiert sich diese Werbebotschaft. Denn während die Bauelemente fürs Fertighaus noch in der Produktion sind, wird am Massivbau schon eifrig gearbeitet. Bei guter Planung und je nach Größe steht der Rohbau inklusive Dachstuhl innerhalb von zwei bis drei Wochen. Dann wird Richtfest gefeiert. Im Anschluss daran kann nach einer Trocknungsphase mit dem Innenausbau begonnen werden.